Häufig gestellte Fragen
Keine Lust auf Scheinargumente? Hier gibt es Einblicke in Hintergründe, Antworten auf klassische Gegenargumente und konkrete Anlaufstellen für Betroffene.
Aber nicht alle Männer sind so? (Not All Men)
Der Satz „Ich aber nicht“ geht am Thema vorbei, weil er die Debatte von einem gesellschaftlichen Problem auf eine persönliche Rechtfertigungsebene zieht und damit die tief sitzende strukturelle Komponente ignoriert. Es geht hierbei nicht um eine persönliche Schuldzuweisung an den einzelnen Mann, sondern um historisch gewachsene Machtverhältnisse, veraltete Rollenbilder und ungleiche Privilegien, in denen Männlichkeit nach wie vor als gesellschaftliche Norm gilt. Wenn Statistiken zeigen, dass die überwiegende Mehrheit geschlechtsspezifischer Gewalt von Männern ausgeht, beschreibt das ein systemisches Muster unserer Gesellschaftsordnung und keine individuelle Charakterfrage. Wer mit einem Abwehrreflex reagiert, wechselt die Rolle vom Verbündeten zum Opfer einer vermeintlichen Verallgemeinerung, was die Aufmerksamkeit von den Betroffenen und der realen Gefahr ablenkt. Männer profitieren oft unbewusst von diesen überlieferten Hierarchien, weshalb reine Passivität nicht ausreicht. Geschlechtsspezifische Gewalt ist die Spitze einer Pyramide, die durch alltäglichen Sexismus, Grenzverletzungen und das Schweigen im eigenen Umfeld gestützt wird. Es geht also nicht um Kollektivschuld, sondern darum, Verantwortung zu übernehmen, hinzusehen und toxische Muster sowie ungleiche Machtstrukturen in den eigenen Reihen aktiv zu durchbrechen.
Wollt ihr Männern die Schuld für alles geben?
Nein, es geht um Verantwortung, nicht um Schuld.
Schuld blickt zurück und lähmt. Verantwortung blickt nach vorne und ermöglicht Handeln. Wir wollen Männer nicht beschämen, sondern aus der passiven Zuschauerrolle herausholen. Wer versteht, dass Männer Teil des Problems sind, versteht auch, dass Männer der Schlüssel zur Lösung sind.
Ist Gewalt an Frauen ein importiertes Problem von ausländischen Männern?
Nein. Wer Gewalttaten rein auf Menschen aus dem Ausland schiebt, ignoriert Fakten. Die offizielle polizeiliche Kriminalstatistiken zeigt jedes Jahr eindeutig: Die große Mehrheit der Täter bei häuslicher und sexueller Gewalt in Österreich und Deutschland sind einheimische Männer.
Gewalt gegen Frauen ist ein Problem in allen Schichten und Nationalitäten. Kriminologische Studien belegen klar, dass Gewaltursachen nicht in der Herkunft liegen, sondern in Tätern, die Macht ausüben wollen, sowie in Armut, fehlender Bildung oder Gewalt im eigenen Elternhaus. Einheimischer Hintergrund schützt Frauen nicht vor Gewalt, genauso wenig wie Gewalt ein importiertes Problem ist. Wer Frauen wirklich schützen will, darf Gewalt nicht nur dann verurteilen, wenn der Täter kein Einheimischer ist.
Offizielle Statistiken und Lagebilder dazu gibt es beim Bundeskriminalamt Österreich (https://www.coordination-vaw.gv.at/) und beim Bundeskriminalamt Deutschland (https://www.bka.de/DE/AktuelleInformationen/StatistikenLagebilder/Lagebilder/Partnerschaftsgewalt/partnerschaftsgewalt_node.html).
Ist Sexismus am Stammtisch wirklich so schlimm? Das ist doch nur Spaß.
Sprache schafft Realität und bereitet den Boden.
Grenzüberschreitende Sprüche, sexistische Witze oder das Bewerten von Körpern sind keine harmlosen Schabernack-Momente. Sie signalisieren im Umfeld: „Hier ist das okay.“ Das schafft eine Kultur, in der Grenzverletzungen verharmlost werden und Betroffene sich nicht trauen, Hilfe zu suchen. Zivilcourage fängt genau da an, wo man beim blöden Spruch nicht mitlacht, sondern kurz nachfragt: „Wie meinst du das genau?“
Warum reicht es nicht, einfach selbst kein Täter zu sein?
Weil Wegschauen Tätern den Rücken stärkt.
Passivität schützt Betroffene nicht. Wenn wir schweigen, wenn Kumpels Grenzen überschreiten, geben wir leise Zustimmung. Echte Zivilcourage bedeutet, im eigenen Freundeskreis, im Verein oder am Arbeitsplatz aktiv für ein sicheres Umfeld zu sorgen.
Ich merke, dass ich selbst zu Aggression oder Kontrolle neige. Wo bekomme ich Hilfe?
Sich Hilfe zu holen ist der erste Schritt, um Kreisläufe zu durchbrechen. Wenn du merkst, dass du die Kontrolle verlierst, verbal oder körperlich übergriffig wirst, gibt es spezialisierte Anlaufstellen für Anti-Gewalt-Trainings und Männerberatung. +++ ÖSTERREICH: Angebote für Männerberatung, Anti-Gewalt-Arbeit und Gewaltschutzzentren findest du unter: https://www.oesterreich.gv.at/de/themen/notfaelle_unfaelle_und_kriminalitaet/hilfe-bei-gewalt/Seite.290202 +++ DEUTSCHLAND: Das bundesweite Männerberatungsnetz sowie das Hilfetelefon (0800 1239900) erreichst du unter: https://maennerberatungsnetz.de/
Ich bin als Mann selbst von Gewalt oder Missbrauch betroffen. Wo kann ich mich melden?
Männliche Betroffene verdienen den gleichen Schutz und schamfreie Unterstützung. +++ ÖSTERREICH: Der Männer-Notruf bietet rund um die Uhr kostenfreie Hilfe unter 0800 246 247 sowie online unter: https://www.maennernotruf.at/ +++ DEUTSCHLAND: Das Hilfetelefon Gewalt an Männern erreichst du kostenfrei unter 0800 1239900 oder online unter: https://www.maennerhilfetelefon.de/
Warum sollen betroffene Personen uns nicht mehr erklären müssen, was zu tun ist?
Weil Aufklärungsarbeit Kraft kostet.
Frauen und geschlechtsspezifisch betroffene Personen tragen seit Jahrzehnten die Hauptlast im Kampf gegen Gewalt. Es ist unsolidarisch zu erwarten, dass sie uns auch noch geduldig erklären, wie wir uns verändern sollen. Wir Männer müssen uns selbst informieren, uns mit der Thematik auseinandersetzen und die eigenen Hausaufgaben machen.
Gibt es nicht auch Gewalt von Frauen gegen Männer?
Ja, die gibt es – aber die Strukturen und Ausmaße unterscheiden sich grundlegend.
Gewalt gegen Männer ist ein ernstes Thema und muss genauso behandelt werden. Die Zahlen zeigen jedoch eindeutig: Bei tödlicher Partnergewalt, sexuellen Übergriffen und systematischer patriarchaler Kontrolle sind die Opfer in der überwiegenden Mehrheit Frauen und betroffene Personen, während die Täter fast ausschließlich männlich sind. Die Benennung von Männergewalt verharmlost andere Gewaltformen nicht, sondern benennt das größte gesellschaftliche Sicherheitsrisiko beim Namen.
Warum sprecht ihr von 'patriarchaler Gewalt'? Ist das nicht veraltet?
Nein, es beschreibt das Problem präzise.
Patriarchale Gewalt bezeichnet Verhaltensmuster, die auf Macht, Kontrolle und dem Anspruch beruhen, über andere zu bestimmen. Das reicht von abwertenden Witzen über Stalking bis hin zu Femiziden. Diese Gewalt entsteht nicht im luftleeren Raum, sondern wird durch veraltete Rollenbilder genährt, die Männern Dominanz und Emotionslosigkeit beibringen. Patriarchale Gewalt zu bekämpfen bedeutet, diese schädlichen Rollenmuster aufzubrechen.
Was bedeutet der Name "Take Part Not Space"?
„Take Part“ bedeutet „Mitmachen“. Es ist der Aufruf an Männer, selbst aktiv zu werden – etwa indem sie Sexismus im eigenen Umfeld widersprechen und Verantwortung für Gleichberechtigung übernehmen.
„Not Space“ spielt auf den englischen Begriff „taking up space“ („Raum einnehmen“) an. Das meint das Phänomen, dass Männer in Diskussionen oder Strukturen oft automatisch die meiste Aufmerksamkeit bekommen und dominieren.
Zusammengefasst lautet die Formel: „Mach mit, aber nimm nicht den ganzen Raum ein!“ Männer sollen sich solidarisch beteiligen, ohne dabei die Stimmen von Frauen und marginalisierten Gruppen zu übertönen.
Wie kann ich bei Take Part Not Space mitmachen?
Du musst kein Experte sein, um anzufangen.
Du kannst lokale Aktionen in deinem Bundesland starten oder einfach anfangen, in deinem eigenen Alltag Haltung zu zeigen. Vernetze dich mit uns per E-Mail (hello@takepartnotspace.org) oder Instagram (@takepartnotspace).